Interrail Urlaub

 

dav

In meinen letzten beiden Sommerferien bin ich mit Interrail durch die Gegend gefahren. Beim ersten Mal durch Schottland und Irland, beim zweiten Mal durch Belgien nach Frankreich und Spanien. Vor der ersten Reise kannte ich Interrail gar nicht, jetzt hab ich viel dazu im Kopf und Lust, ein bisschen zu erzählen:

Packen

dav

Natürlich reist man mit wenig Gepäck. Für mich war das das erste Mal mit Rucksack. Ich bin ziemlich klein und die Rucksäcke waren ziemlich groß und schwer, wahrscheinlich viel zu groß und schwer für meinen Rücken. Aber meistens haben wir nur zwischen Bahnhof und Campingplatz geschleppt, dafür war es in Ordnung.

Ich habe gelernt, mit wie wenig Klamotten ich auskomme und mit wie wenig man überhaupt auskommt, wenn man Platzprobleme hat.

Weil wir im kleinen Zelt oder in Campingplatzduschräumen weder Platz noch Zeit noch Lust auf Styling hatten, wurde es eben meistens das, was grade sauber ist. Und dann je nach Wetter noch Pulli oder Regenjacke drüber. Trotzdem würde ich nicht nur platzsparend einrollbare praktische Sachen mitnehmen. Wenn man sich mal richtig ranzig und durchnässt fühlt, wirken roter Lippenstift und Ohrringe Wunder (naja, für mich jedenfalls, vielleicht hat ja jeder sein Äquivalent dazu).

IMG-20160819-WA0006

Mit der Zeit haben wir unsere monströsen Rucksäcke lieben gelernt, sie waren sehr treue Begleiter. Einmal ist ein schottischer Bus mit ihnen, aber ohne uns losgefahren. Die Stunden der Trennung waren hart und die Wiedersehensfreue groß.

Diese unförmigen Regenüberzüge sind übrigens unerlässlich, wenn man durch Schottland reist und das Zelt außen dran schnallt.

Campen

Wir haben uns in beiden Urlauben fürs Campen entschieden, hauptsächlich, weil es doch ein ganzes Stück billiger ist als Hostels. Manchmal hat es genervt Campingplätze zu suchen, von dort aus in die Städte zu fahren und im Zelt nicht stehen zu können. Und Regen! Regen nervt natürlich besonders, aber grade im Süden ist das ja im Sommer kein so großes Problem. Die Busse in die Stadt fahren dann manchmal eine halbe Stunde, aber ziemlich regelmäßig und häufig auch noch nachts.

IMG-20160807-WA0014

IMG-20160807-WA0012

Wenn die Sonne scheint und es warm ist, kann Campen wunderbar sein. In den Bergen neben einer Schafsherde zum Beispiel, oder direkt am Meer.

dav

Oft gab es zutrauliche Hunde oder Katzen und nette Zeltnachbarn. In Marseille hat uns ein Ehepaar ihr Vorzelt angeboten bevor wir aufgebaut hatten, weil sie dachten, es könnte regnen und wir wollten unter den Sternen schlafen.

WP_20160813_11_43_41_ProUnd auf einem ganz kleinen Campingplatz direkt am Loch Ness saßen abends alle um die Feuerstelle und die Besitzerin hat Kleckse vom einzig wirksamen Anti-Mücken-Spray verteilt.

 

Unterwegs sein

Das Zugfahren hat bis auf ein paar Vorfälle super geklappt. In Madrid haben Sie uns kontrolliert als wären wir Terrorverdächtige am Flughafen und sind beim Anblick unserer Campinggasflasche ausgetickt. Das Gleiche hatten wir auch in Belfast mit einem Opinel-Messer. Die „offensive Weapons“ durften beide Male nicht mit, wir aber zum Glück schon.

IMG-20160807-WA0010Ansonsten fand ich das Zugfahren entspannend. Kein Navigieren und man kann schlafen, lesen oder in Ruhe essen. Gegen das Einander-auf-die-Nerven-Gehen helfen dicke Bücher. Die kann man auch super tauschen und dann, wenn man sich wieder lieb und sozial fühlt, über die Geschichten reden.

IMG-20160810-WA0062Überhaupt sind Buchläden der perfekte Zufluchtsort, wenn es regnet oder kalt ist oder auch einfach so. Nur Bücher kaufen ist eher nicht drin – zu schwer.

Die besten Wege von der Stadt zum Campingplatz zu finden war manchmal herausfordernd. Manche Busse existieren im Internet aber nicht auf dem Bahnhofsplan, manche heißen anders oder fahren zu mysteriösen, nirgendwo aufgeschriebenen Zeiten. Fragen hilft, die meisten Leute waren nett und haben gerne geholfen, besonders wenn man verzweifelt guckt und unter der Rucksacklast leidend aussieht.

dav

In den Städten sind wir viel gelaufen, wie hier durch die Gassen von Lyon. Oft einfach drauf los, ohne Reiseführerroute. Eintritt bezahlt haben wir nur selten und sehr ausgewählt. Schöne Parks, Museen und Kirchen gibt es auch umsonst. Und durchs Stromern findet man schöne und lustige Dinge.

dav    dav

dav    IMG-20160805-WA0031

Abwechslung ist wichtig. Viel durch Städte laufen macht erschöpft, irgendwann reicht es mit vollen Straßen. Zwischendurch gammeln und erholen tut gut. Irgendwo, wo es schön ist.

davAn solchen Tagen haben wir viel an einem Reisetagebuch geklebt und geschrieben. Weil wir in Großbritannien keine Schere dabei hatten, hat meine Freundin eine Methode perfektioniert Schnipsel mit dem Taschenmesser auszuschneiden, mit einem kleinen Stück alter Pappe als Unterlage. Man sieht dem Buch an, was es alles mitmachen musste, und es ist ganz wunderbar geworden.

Meer und Strand geht, wenn das Wetter mitspielt, sogar auch in Großbritannien. Zum Beispiel in Hastings. Statt auf dem Campingplatz waren wir da mal in einer Wohnung von Freunden mit diesem Postkartenausblick.

IMG-20160823-WA0018

Essen

IMG-20160808-WA0004

Ein schönes Geschirrtuch mitzunehmen war eine gute Idee – wenn man auf sowas Wert legt. Das Essen sieht gleich viel besser aus. Mit wenig Geld und Campingkocherausrüstung kriegt man nicht besonders spektakuläre Sachen hin. Viele Nudeln, viel Reis mit Fertigsoße. In Frankreich und Spanien gab es praktisch jeden Morgen Baguette mit Erdnussbutter und Marmelade, das ist einfach und macht gut satt. Ich konnte lange Zeit kein Baguette mit Erdnussbutter und Marmelade mehr sehen!

IMG-20160818-WA0065

Manchmal macht es irgendwie bessere Laune sich ein bisschen Mühe zu geben mit dem Essen, oft haben wir aber auch einfach direkt aus dem Topf gegessen. Im Dunkeln, am besten noch im Regen, muss es schnell gehen und es gibt weniger zu spülen.

 

Wenn man die Nase voll hat vom Campingkocher, hilft es, ab und zu mal essen zu gehen. Auch, wenn es nur ein Stück Kuchen ist. Schöne Cafés kann man nicht immer nur von außen bewundern, in manche sollte man rein.

dav

IMG-20170916-WA0002Abends weggehen ist auch gut. Coole Bars raussuchen und mal ein bisschen Geld in Cocktails investieren. Oder in Bier aus Eimern in den spanischen Studentenkneipen.

 

 

Meine liebsten Bilder

dav
Nach Montpellier sind wir ganz spontan gefahren, weil wir unseren Rückweg noch gar nicht richtig geplant hatten. Es lag einfach gut auf dem Weg. Am ersten Abend dort saßen wir mit einer Supermarktweinflasche und Keksen auf einer Treppe an diesem Innenstadtplatz mit perfekten Farben.

 

IMG-20160818-WA0098
Das Foto ist in Nordirland entstanden. Eigentlich sind wir ans Meer gefahren, um den Giant‘s Causeway anzugucken, so eine geometrische Felsformation. Alles drumherum war dann aber viel spannender und eindrucksvoller. Wir sind stundenlang oben an der Steilküste entlanggewandert und fanden es wunderschön.
Werbeanzeigen

2 Kommentare zu „Interrail Urlaub

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s